Ukrainische Ankünfte in Deutschland: Fragen und Antworten

Ukrainische Ankünfte in Deutschland Fragen und Antworten

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind bereits mehr als drei Millionen Menschen vor dem Krieg in der Ukraine geflohen. Wie viele genau in Deutschland angekommen sind, ist noch unbekannt, aber die Regierung hat bereits rund 200.000 registriert. Jetzt ist in Deutschland gerade ein neues Informationsportal gestartet, um Neuankömmlingen zu helfen.

Das Bundesinnenministerium hat am 17. März sein neues Hilfe- und Informationsportal für in Deutschland ankommende Ukrainer gestartet. Sie finden die Seite unter folgender Adresse: www.germany4Ukraine.de

Die Seite ist auf Ukrainisch, Englisch, Deutsch und Russisch verfügbar. Es bietet Abschnitte zu grundlegenden Informationen, Unterkunftsmöglichkeiten und Websites, Gesundheit und versucht, eine Reihe häufig gestellter Fragen zu beantworten. Es enthält auch Warnungen der Bundespolizei, wie man vermeiden kann, Opfer von Betrügereien oder Missbrauch durch Personen zu werden, die sich als Helfer ausgeben.

Derzeit weiß niemand genau, wie viele Ukrainer in Deutschland angekommen sind, weil sie visumfrei einreisen können und auf verschiedenen Wegen anreisen, mit Bahn, Bus und Privatauto. Die Deutsche Presse-Agentur dpa berichtete jedoch, dass die Bundesregierung bisher rund 200.000 registriert habe.

Einige der Neuankömmlinge werden direkt zu Freunden und Verwandten gehen, andere kennen niemanden und brauchen Hilfe von den verschiedenen Organisationen, die versuchen, den Ankunftsprozess zu erleichtern. Am Berliner Hauptbahnhof, unweit der polnischen Grenze, ist eines der größten Zentren Deutschlands entstanden.

Grundinformation

  • Zum jetzigen Zeitpunkt dürfen sich Ukrainer bis zum 23. Mai 2022 visumfrei in Deutschland aufhalten. In dieser Zeit, so das Portal, „können Sie Ihre Möglichkeiten prüfen, ein langfristiges Aufenthaltsrecht in Deutschland zu erhalten.“ Das Portal empfiehlt, entweder eine Aufenthaltserlaubnis oder eine Studien- oder Arbeitserlaubnis zu beantragen. Sie empfehlen derzeit nicht, Asyl zu beantragen.
  • Wer sich länger als drei Monate in Deutschland aufhalten möchte, muss seinen Wohnort bei der zuständigen Behörde melden. Dieses nennt sich Einwohnermeldeamt oder Bürgeramt. Dafür benötigen Sie in der Regel einen Termin, insbesondere in Großstädten wie Berlin.
  • Laut dem neuen Informationsportal benötigen Ukrainer ein spezielles Visum oder eine Aufenthaltserlaubnis, um im Land arbeiten zu können. Auf der Website „Aufenthalt“ finden Sie einen Link, der Ihnen erklärt, wie Sie diese bei Bedarf beantragen können.
  • Für Ukrainer, die arbeiten möchten, ist eine besondere Anerkennung erforderlich, wenn Sie eine Ausbildung als Arzt, Rechtsanwalt, Krankenpfleger oder Ingenieur absolviert haben, da es sich um „reglementierte Berufe“ handelt. Auch Handwerker müssen ihre Berufsqualifikationen anerkennen lassen.
  • Für diejenigen, die ihre Haustiere aus der Ukraine mitgebracht haben, haben mehrere Länder, darunter Deutschland, ihre Regeln für Tollwutbescheinigungen und andere Registrierungspapiere für Haustiere gelockert. Dazu gehören laut Internetseite der Bundesregierung Rumänien, Polen, Litauen, die Slowakei, Lettland, Finnland, Estland, Slowenien und Ungarn. Nach Ihrer Ankunft in Deutschland müssen Sie Ihr Haustier jedoch zum örtlichen Tierarzt bringen und überprüfen, ob es gegen Tollwut geimpft ist.
  • Ukrainische Staatsangehörige mit einem biometrischen Reisepass können auch in der gesamten EU und den 26 Schengen-Staaten reisen. Wurde Ihnen jedoch bereits eine Aufenthaltserlaubnis aus einem EU-Land erteilt, ist diese 90 Tage gültig. Wenn Sie beabsichtigen, in ein anderes EU-Land zu ziehen, müssen Sie dort Ihren neuen Aufenthaltstitel beantragen.
  • Informationen zum Aufenthaltsrecht und anderen rechtlichen Fragen bieten: anwalt-fuer-auslaenderrecht.de/ und www.ra-maibaum.de/aufenthaltsrecht
  • Wenn Sie Ihren Pass oder den Ihrer Kinder auf der Flucht verloren haben, können Sie beim Ausländeramt (BAMF) einen Passersatzantrag stellen.
  • Ukrainer mit einer Aufenthaltserlaubnis können studieren oder sich für Ausbildungsprogramme bewerben und erhalten jede finanzielle Unterstützung, die für diese Programme verfügbar ist.
  • Wenn Sie einen Vermissten suchen, können Sie sich an das Deutsche Rote Kreuz (DRK) wenden, wo Sie einen Suchauftrag stellen können. Dies ist ein kostenloser Service.
  • Für ukrainische Flüchtlinge in Deutschland gibt es kostenlose SIM-Karten der Deutschen Telekom und Vodaphone. Diese Karten werden in Zügen ausgegeben, die nach Deutschland kommen. Sie können aber auch ohne Vertragsabschluss eine Karte bei einem anderen Anbieter kaufen. Sie benötigen ein Dokument wie einen Reisepass, um die Karte zu kaufen. Bei folgenden Anbietern gibt es kostenlose SMS und Telefonate in die Ukraine: Vodaphone, Deutsche Telekom, Congstar, PYUR, Sipgate, Kaufland mobil, Telefónica Deutschland (o2) sowie Simfonnie (Österreich) und Sunrise (Schweiz). Bei den meisten Anbietern Datenroaming in der Ukraine ist ebenfalls kostenlos.

Unterkunft

  • Wenn Sie eine Unterkunft benötigen, gibt es mehrere Portale, die Ihnen weiterhelfen können.
  • Deutschland bietet für die ersten Nächte staatliche Aufnahmeeinrichtungen an. An den meisten größeren Bahnhöfen finden Sie Informationen, die Sie zu diesen Zentren führen.
  • Auf der Seite Housing Ukraine ( www.unterkunft-ukraine.de ) können Sie sich für ein Praktikum anmelden. Auf dieser Plattform können Privatpersonen Unterkünfte für Geflüchtete anbieten.
  • Die Seite bietet außerdem drei weitere Webseiten: www.warmes-bett.de, www.host4ukraine.com und www.jugendherberge.de, die Seite des Deutschen Jugendherbergswerks.
  • **Diese Seiten werden privat betrieben und sind keine Partner der deutschen Bundesregierung.

Medizinische Versorgung

  • Wenn Sie krank sind oder einen Arzt oder psychologische Hilfe benötigen, gibt es auch in Deutschland Anlaufstellen für Sie.
  • In einem Notfall können Sie 112 (die medizinische Notrufnummer) anrufen. Die Gifthotline ist unter +49 3019240 erreichbar. Einen ärztlichen Bereitschaftsdienst erreichen Sie unter 116 117 und viele Apotheken oder Drogerien haben einen Nacht- oder Notdienst, wenn Sie dringend Medikamente benötigen.
  • Die Bundesregierung sichert Ihnen zu, dass Sie das Recht haben, in einem medizinischen Notfall Hilfe zu suchen, auch wenn Sie derzeit nicht krankenversichert sind.
  • Es gibt auch Organisationen, die Menschen ohne Papiere anonym behandeln. Eine Liste dieser Stellen finden Sie auf folgender Website: www.gesundheit-ein-menschenrecht.de/kontaktstellen
  • Die Malteser Freiwilligenorganisation betreibt auch Krankenhäuser und Kliniken in Deutschland. www.malteser.de oder medibueros.org
  • In Berlin bieten nach Angaben der Bundesregierung 500 Arztpraxen kostenlos medizinische und psychologische Hilfe für Vertriebene aus der Ukraine an. Eine Liste dieser finden Sie unter www.kvberlin.de Aus der Liste ist auch ersichtlich, welche Sprachen in den jeweiligen Büros gesprochen werden.
  • Wenn Sie sich gegen COVID-19 impfen lassen möchten, ist es einfach, einen Termin in Deutschland zu finden, und die Regierung rät jedem, der noch nicht geimpft ist und keine Kontraindikationen für eine Impfung hat, dies zu tun.
  • Schwangere erhalten außerdem während der gesamten Schwangerschaft eine kostenlose medizinische Versorgung für sich und ihre Babys. Auch Kinder ab der Geburt werden in Deutschland bis zum Alter von sechs Jahren einer Reihe von Gesundheitschecks unterzogen.
  • Gesundheitschecks werden auch für Jugendliche empfohlen.
  • Wenn Sie ein pflegebedürftiger älterer Mensch sind, finden Sie Informationen zu den Angeboten unter www.migration-gesundheit.bund.de/de/pflege .

Verbreitung in ganz Deutschland

  • Im Moment wollen viele der in Berlin Ankommenden dort bleiben. Zum Teil, weil es näher an der polnischen Grenze und damit näher an ihrem früheren Wohnort in der Ukraine liegt, und zum Teil, weil sie glauben, dass es in einer Großstadt einfacher ist, eine Unterkunft und Arbeit zu finden. Allerdings stößt Berlin schon jetzt an seine Grenzen, um adäquaten Wohnraum für alle zu finden, obwohl Berlins Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) sagt, es gebe „keine Obergrenze“.
  • Oberbürgermeisterin Franziska Giffey hat auf dem Gelände des alten Flughafens Tegel im Norden der Stadt ein Aufnahmezentrum mit Betten eingerichtet. Die Weiterreise von Berlin mit Bus oder Bahn ist ebenfalls kostenlos und viele andere deutsche Städte und Regionen schicken Busse, um Ukrainer abzuholen, die vielleicht andere Teile Deutschlands erreichen möchten.
  • Für alle Neuankömmlinge aus der Ukraine werden zudem Integrations- und Sprachkurse angeboten. Die Teilnahme an diesen Kursen ist jedoch noch nicht verpflichtend.

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